Der neue Glücksspielstaatsvertrag im Test – was gilt für Anbieter und Spieler in Deutschland seit 1. Juli 2021 und was bringt die Neuregelung?

Letztes Update: 27.09.21

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Online Casinos sind seit Jahren im Aufschwung und auch bei deutschen Spielern seit jeher sehr beliebt. Doch da mit Ausnahme des Bundeslandes Schleswig-Holstein in Deutschland keine klare Rechtlage herrschte, welche Casinos erlaubt sind und welche nicht, bewegten sich die Zocker und Zockerinnen in einer Grauzone. 

Seit 1. Juli 2021 gibt es mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag nun endlich eine deutsche Lizenz. Doch was bedeutet das für Spieler, was ändert sich, haben andere EU-Lizenzen noch Gültigkeit und wie schneidet die deutsche Glücksspiellizenz im Vergleich zur europäischen Konkurrenz ab? Mit diesen und weiteren Fragen haben wir uns intensiv auseinandergesetzt und teilen im Folgenden unsere Ergebnisse mit Ihnen.

 

Bisherige Rechtslage in Deutschland

Wie eingangs schon erwähnt war die rechtliche Lage in Deutschland für Spieler und Spielerinnen seit jeher sehr verwirrend. So gab es per Gesetz kein Glücksspielverbot, aber es gab auch keine offizielle Lizenz. Lediglich das Bundesland Schleswig-Holstein lizenzierte einige Onlinecasinos und Sportwettenanbieter, so dass es für Anwohner des Bundeslands legal war, dort zu spielen. Dies galt aber nicht für Deutsche aus anderen Bundesländern. Dennoch ließen die Casinos mit Schleswig-Holstein-Lizenz sowie anderen europäischen Lizenzen auch deutsche Spieler zu.

Der Grund dafür sind europäische Lizenzen für Onlinecasinos. Durch den Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU können Anbieter aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat ihre Waren und Dienstleistungen frei innerhalb der gesamten europäischen Union vertreiben und anbieten. Daher war es laut EU-Gesetz für alle EU-Bürger – und damit auch Deutsche – erlaubt, bei einem Anbieter mit europäischer Lizenz zu spielen. 

Diese rechtliche Grauzone blieb insbesondere deshalb offen, weil Deutschland bis zum 1. Juli 2021 kein eigenes Glücksspielgesetz hatte, das Online-Casinos mit einschloss. Entsprechend fehlte eine nationale Regelung und die Anbieter wurden geduldet, ohne dass der Fiskus in irgendeiner Weise davon profitieren konnte. 

 

Übrige europäische Lizenzen

Zu den wichtigsten europäischen Lizenzen im Bereich von Online-Casinos gehören seit jeher die Glücksspiellizenz der Malta Gaming Authority (MGA), die Glücksspiellizenz aus Gibraltar. Auch Curacao hat eine eigene Glücksspielbehörde, die im Online-Glücksspielbereich beliebt ist. Ist ein Casinobetreiber in Malta lizenziert, argumentierten Spieler und Betreiber vor dem 1. Juli 2021 gerne damit, dass das Casino in ganz Europa und damit auch in Deutschland für deutsche Spieler legal sei. So einfach ist es ab diesem Stichtag nicht mehr, denn schließlich gibt es nun eine nationale Regelung und eigene deutsche Glücksspiellizenzen für Online-Spielotheken, wie Casinos im Internet in Deutschland fortan heißen müssen.

Glücksspielanbieter für deutsche Kunden

Auch schon vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag was das Angebot an Glücksspielen im Internet für deutsche Kunden riesig. Anbieter mit Hauptsitz in der EU akzeptierten gerne Kunden aus Deutschland. Daran hat sich auch mit der neuen deutschen Lizenz nichts geändert. Zwar haben Spieler aus Deutschland nun die Möglichkeit, bei offiziellen Online-Spielotheken mit deutscher Lizenz zu spielen, doch die Lizenz in Deutschland ist sehr streng und es gibt eine ganze Reihe von Einschränkungen – mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Durch die Restriktionen, an die sich jeder Betreiber mit deutscher Lizenz halten muss, sind Online-Spielotheken für einige Spieler uninteressant, da sich die Einschränkungen neben dem Wett- und Einsatzverhalten der Spieler auch auf das Spieleangebot der Anbieter auswirken. Aus diesem Grund gibt es trotz – oder gerade wegen – des Glücksspielstaatsvertrages Portale für deutsche Spieler, auf denen sie explizit Casinos ohne deutsche Lizenz finden können, die dennoch Kunden aus Deutschland akzeptieren.

Zwar ist dies laut EU-Gesetz möglich, seit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der nun auch Glücksspiel im Internet mit einschließt, ist es jedoch national klar geregelt, welche Glücksspielanbieter ihre Dienste in Deutschland anbieten dürfen; und dies sind entsprechend ausschließlich offiziell lizenzierte Online-Spielotheken. Bis zum 1. Juli gab es eine Übergangsfrist, doch die ist vorbei, so dass Anbieter per Gesetz eine deutsche Lizenz brauchen, um ihre Dienste deutschen Kunden anbieten zu dürfen. Allerdings halten sich weder alle Spieler noch alle Anbieter aus der EU an diese nationale Regelung. Aus Sicht eines Anbieters aus Malta, Gibraltar & Co. ist dies auch durchaus nachvollziehbar, schließlich unterliegt ein solcher Anbieter der dortigen Gesetzgebung, die das Anbieten der Dienste im Ausland nicht untersagt.

 

Neuer Glücksspielstaatsvertrag 2021

Der neue Glücksspielstaatsvertrag trat in Deutschland am 1. Juli 2021 in Kraft. Welche Ziele die Bundesregierung mit diesem für alle Bundesländer einheitlichen Gesetz verfolgt und wie es sich auf deutsche Spieler auswirkt, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

 

Ziele des Staatsvertrags

Die Ziele des neuen Gesetzes sind im Staatsvertrag klar definiert. Dabei sind die beiden Hauptziele die Sicherheit der Spieler und eine einheitliche Rechtslage in ganz Deutschland. Ein wesentlicher Bestandteil sind darüber hinaus regelmäßige Kontrollen und geeignete Maßnahmen, um Betrug, Manipulation, Spielsucht und Geldwäsche vorzubeugen. Online-Casinos sollen aus der Grauzone herausgeholt werden und als Online-Spielotheken zu einem sicheren Ort gemacht werden.

Die Hauptziele im Einzelnen:

• Spielsucht-Prävention: Das Suchtpotenzial bei Glücksspiel ist hoch. Spieler sollen daher zuverlässig durch geeignete Maßnahmen, Limits und Mechaniken geschützt werden. Anbieter und Behörden sehen sich hier gleichermaßen in der Pflicht. Zur Umsetzung dieses Ziels müssen alle lizenzierten Anbieter von Spielotheken ein Sozialkonzept erarbeiten, um verantwortungsvolles Spielen zu fördern.

• Jungend- und Spielerschutz: Im Staatsvertrag sind einheitliche Regeln festgehalten, deren Einhaltung kontrolliert werden soll. Der Jugendschutz spielt hier eine übergeordnete Rolle. Zudem soll die Entstehung und Verbreitung von Glücksspiel auf dem Schwarzmarkt unterbunden werden.

• Fairer Wettbewerb: Konzessionen sind ab sofort unbegrenzt. Das heißt, jeder Anbieter, der die Anforderungen und Richtlinien erfüllt, kann eine offizielle deutsche Lizenz bekommen.

 

Das ändert sich für Spieler und Anbieter von Spielotheken

Im Vergleich zu anderen Lizenzen macht der Glücksspielstaatsvertrag klare Vorgaben zu Spielabläufen, Einsätzen und mehr. Was dies für Spieler und Anbieter bedeutet, haben wir hier kurz zusammengefasst:

Änderungen für Spieler im Internet

Tischspiele wie Poker, Blackjack oder Roulette sind fortan im Internet verboten

Live-Casinos dürfen für deutsche Spieler nicht angeboten werden

Monatlich dürfen Spieler anbieterübergreifend maximal 1.000 Euro einzahlen (Re-Investition von Gewinnen sind ausgenommen)

Eine bundesweite Spielersperrdatei verhindert das gleichzeitige Spielen in mehreren Online-Spielotheken und verhindert, dass gesperrte Spieler zu einem anderen Anbieter wechseln

 

Änderungen für Online Spielotheken mit deutscher Lizenz

Der Einsatz je Dreh darf höchstens 1€ betragen.

Es darf zwischen 6 und 21 Uhr nicht für Spielotheken geworben werden

Der Spieler muss stets klar über Gewinne und Verluste informiert werden

Es muss ein Panik-Button geben, mit dem sich der Spieler für 24 Stunden sperren kann

Jackpot-Slots, bei denen ein Teil des Einsatzes in den Jackpot fließt, sind verboten

Es dürfen nur noch Spielautomaten angeboten werden

Zwischen Spins müssen Pausen eingehalten werden und die Auto-Spin-Funktion ist nicht erlaubt

Fazit und Kritik zum neuen Staatsvertrag in Deutschland

Die Einschränkungen, mit denen Spieler und Anbieter leben müssen, wenn sie sich an die Gesetzgebung in Deutschland halten möchten, sind beachtlich. Insbesondere ambitionierte Spieler werden sich an den Limits stören. Andere, die gerne Tischspiele oder Live-Casino-Spiele gespielt haben, schauen fortan ebenfalls in die Röhre. Letztendlich wird ein wesentlicher Bestandteil des Glücksspiels im Internet komplett verbannt und die Chance auf sehr hohe Gewinne bei gleichzeitig hohem Einsatz und Risiko gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Darüber hinaus sind Slots zwar erlaubt, doch besonders beliebte Slots mit progressiven Jackpots sind ebenfalls nicht mehr legal. 

Insgesamt ist mit dem Glücksspielstaatsvertrag sicherlich ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan, denn erstmals ist privates Glücksspiel bundesweit einheitlich legal möglich. Auch die hohen Sicherheitsstandards und der Spieler- und Jugendschutz sind gute Errungenschaften.

Besonders professionelle Spieler stören sich an den sehr eng geschnürten Einsatzlimits. Datenschützer sehen zudem die bundesweite Sperrdatei sehr kritisch, denn der Datenschutz kann durch diese nicht mehr voll gewährleistet werden. Mit der Legalisierung geht zudem ein leichterer Zugang zu Glücksspiel einher, der sicherlich hinsichtlich des Themas Spielsucht kritisch zu sehen ist.

Unterm Strich sehen wir die Beweggründe für das Gesetz als sehr positiv an, zumal der Staat durch die Legalisierung zusätzliche Steuereinnahmen erwarten kann. An einigen Stellen geht das neue Gesetz jedoch nicht weit genug und an anderen Stellen geht es in unseren Augen viel zu weit. Denn letztendlich können verantwortungsvolle Spieler und Spielerinnen sehr wohl selbst entscheiden, welche Spiele sie wie schnell und mit welchem Einsatz spielen möchten. Die Entscheidungsfreiheit der Spieler wird durch das Gesetz jedoch sehr stark beschnitten, was wiederum dazu führt, dass sich viele gezielt nach Anbietern umschauen werden, die sich nicht an das deutsche Glücksspielgesetz halten. Es darf daher stark bezweifelt werden, dass die Grauzone und das Ausweichen auf andere Anbieter mit der Legalisierung ein Ende haben werden.

 

 

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